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2012 – Oder: “Out of Africa”-Unfall

25. Juli 2010

Nach mehrmaligen Bitten und nachdem mir ein Kollege etwas unverschämt die Bluray untergejubelt hatte, entkam ich Emmerichs letzten „Katastrophenfilm“ nicht mehr. Somit hatte sich die Frage von einem „Warum?“ auf ein „Wann?“ reduziert. Knapp vor meinem Urlaub also suchte ich mir mentale Unterstützung in Gestalt eines Freundes und führte mir Emmerichs – hoffentlich – letztes Machwerk im Katastrophenfilm-Genre zu Gemüte. Und diese „Mutter aller Katastrophenfilme“ (Zit. nach MiCHAel) enttäuschte mich gleich in mehreren Punkten.

Punkt 1: Der eigentliche Star des Films, die zerstörerische Plattentektonik, löste bei mir selten mehr als ungläubiges Kopfschütteln oder Lächeln ob der fast schon augenzwinkernden Holzhammer-Komik des Geschehens. Natürlich beeindruckt das Emmerich‘sche Machwerk durchaus in einigen Situationen, wie zum Beispiel bei der Zerstörung L.A.s oder dem beginnenden Ausbruch des Supervulkans unter dem Yellowstone Park, leidet dann aber immer wieder an meines Erachtens schlechter CGI und übertriebenen Dimensionen. Ja, die Welt verändert sich in diesem Film massiv, aber das WIE passt gefühlsmäßig einfach nicht. An mehren Stellen hatte ich das unangenehme Gefühl, also ob mir jemand einen Schlechten Witz zu einem Erdbeben erzählen würde, ihn anschließend für mehrere Millionen Dollar verfilmen und anschließend – während besagter Streifen auf die Leinwand projiziert wird – den Witz erneut erzählt und mit gespannter Miene auf das erlösende Lachen wartet. Von den Miniatur-Menschen, die kreischend in Hundertscharen aus einstürzenden Hochhäusern, Autos oder Flughäfen stürzen, will ich gar nicht anfangen.

Punkt 2: Die Patzer in der Qualität der Kulisse. Gut, der Film soll zur einfachen Unterhaltung dienen und da sollte man auch über so etwas hinweg sehen können, aber bei der billig wirkenden Privatflughafen-Szene war‘s dann Schluss bei mir. Hier rede ich noch gar nicht von der enttäuschenden See-Kulisse im Yellowstone-Park oder generell der Kulissengüte gegen Ende des Films. Die Privatflughafen-Szene hat mich „umgebracht“.

Punkt 3: Auch beim Cast enttäuscht der Film, wenngleich einige Namen Interesse wecken könnten: Mit Danny Glover und John Cusack stehen zwei durchaus gute Mimen auf der Packung, mit Woody Harrelson betritt ein brillanter Schauspieler den Ring. Allerdings kränkelt 2012 auch in dieser Beziehung. Zu viele Schauspieler, die mit zu wenig Screentime ein bisschen flach und alibihaft in ihrer Entwicklung vor sich hindümpeln. Die einzige Ausnahme stellt Harrelsons durchgeknallter Radiomoderator dar. Cusack spielt anfänglich durchaus passabel bis durchaus gut den geschiedenen und etwas glücklosen Science Fiction-Autor, ordnet seinen Charakter aber gegen Ende des Films dem Geschehen unter und mimt zunehmend belanglos. Ähnlich unterkühlt spielt Glover, dessen Präsident der USA klischeehaft-langweilig bis zum Ermüden daher kommt.

Punkt 4: Die „Lösung“ aller Probleme im Epilog. An dieser Stelle geht eine Warnung an alle Leser raus, die sich den Film trotzdem noch antun wollen: Ich verreiße gleich anschließend das Ende des Films. Also nicht weiterlesen, wenn noch interessiert!

Hat Emmerich – oder wer auch immer das Drehbuch verbrochen hat – sich mal nur für eine Minute die offensichtliche Message der geschätzten letzten halben Filmstunde durch den Kopf gehen lassen? Bis auf ein paar wenige Ausnahmen, haben voraussichtlich nur die reichen & mächtigen der Weltgeschichte überlebt. Dieses Überleben sicherten sie auf Kosten des Rests der Welt. Und dann nimmt diese – vornehmlich weiße Clique – Kurs aus Afrika, der als einziger Kontinent scheinbar nicht von der Chaostruppe Neutrinos und Plattentektonik heimgesucht worden war. Geht‘s noch? Die alten Kolonialherren sind auf ihre ehemaligen Kolonien in Afrika angewiesen? Sollte das jetzt als Fingerzeig auf aktuelle postkoloniale Verhältnisse dienen, oder uns zeigen, dass eben jener Postkolonialismus, dem ein Teil der Überlebenden seinen Reichtum verdanken dürfte, böse ist? Wenn letzteres beabsichtigt gewesen sein sollte, dann ist‘s schief gegangen und wenn nicht, dann frag ich mich wie einem das ins Drehbuch rutschen konnte. Da ändert die plötzlich neu entdeckte Moral der Reichen und Mächtigen während des Finales auch nichts mehr daran, dass es die falschen beim Ende der Welt erwischt hat.
Mir ist durchaus klar, dass ich hier zu viel in einen Unterhaltungsfilm hinein interpretieren will, allerdings verzeih ich ihm ohnehin schon genug unlogischen Mist, als das ich DAS nun auch ignorieren könnte.

Sound- und Bildqualität der Bluray konnten grundsätzlich überzeugen, wenngleich das Bild im „Showdown“ des Films durchaus mehr Helligkeit vertragen hätte. Der Sound machte durchaus Spaß, aber etwas anderes hätte man sich vom letzten Tag der Welt (wie wir sie kennen) nicht erwartet.

Abschließend spreche ich hier eine ernstgemeinte Warnung aus. Seht Euch diesen Film nicht an! Egal ob Ihr ihn Euch wegen des Casts, des Unterhaltungswerts oder Emmerichs ansehen wollt, Ihr werdet an anderer Stelle besser bedient! Wie wäre es mit „The Day After Tomorrow“ oder „Independence Day“? Oder gleich mit besseren Filmen, wie „Lethal Weapon“ (Teil egal), „Room 1408“, “Igor”, “Das Urteil” oder gar einer deftigen Scheibe eines anderen – beschissenen Films – „Predator 2“? Und wer eine Bluray zum Ausreizen des Heimkinos sucht, ist meines Wissens nach mit „Avatar“ oder anderen Vertretern des Genres besser bedient.

Von → Filme, Privates

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