Die Legende von Aang
Für mich persönlich standen die Vorzeichen zu diesem Film nicht sonderlich gut. Zunächst war und bin ich mit dem The Last Airbender-Universum nicht vertraut, dann wussten mich die Trailer kaum ins Kino zu locken und schließlich war dann da noch das negative Medienecho von Bloggern und Presse. Aber da ich mal wieder ins Kino und eine Freundin – zum Glück, wie sich später noch heraus stellen sollte – sich die Legende von Aang1 ansehen wollte.

Ich marschierte also schön pessimistisch eingestellt in den Kinosaal hinein und sah mich zu Mindestens anfänglich in meiner Erwartung bestätigt.
Sowohl Prolog als auch die Vorstellung der Protagonisten waren in meinen Augen beinahe schwere Reinfälle und haben ob der Dialogqualität mich kurz über das Verlassen des Kinos nachdenken lassen. Doch zum Glück kamen die Schauspieler – allen voran der brillante Dev Patel als Prinz Zuko und Shaun Toub als dessen Onkel Iroh – nach anfänglichen Startschwierigkeiten ein wenig in Fahrt. Generell zieht das Tempo ab dem Zeitpunkt an, an dem Aang realisiert, dass er der Titelspendende letzte Luftbändiger ist. Die – für meinen Geschmack ein wenig unterpräsente – schöne Welt von Avatar mit ihren verträumten Details und Querverweisen auf Kulturen unserer Erde, taten ihr übriges um mir bis zum Finale die Welt von Aang lebendig und glaubhaft zu präsentieren. Ebenfalls als passend erwies sich über weite Strecken der Soundtrack, wenngleich er stellenweise bestenfalls nur dahinplätschert, aber immerhin nicht deplatziert wirkte.
Allerdings kann ich dem Film nicht nur Lob zusprechen. Er krankt massiv in Puncto Charakterzeichnung und -Darstellung, wenngleich einige Charaktere bereits annehmbar präsentiert werden. Ich verorte die Ursache hierfür2 bei der Ausrichtung des Films auf zwei weitere Fortsetzungen, sprich die Aufteilung der Handlung auf eine Trilogie – mit allen Vor- und Nachteilen, die eine derartige Ausrichtung mit sich bringt.
Etwas überspitzt gesagt ähnelt DLvA einem Spiegelei: Viel flaches, bleiches und etwas erhöhtes, buntes in der Mitte. Der Cast von DLvA ist schlicht und ergreifend flach und wenig ausgebaut präsentiert worden. Hier wurde, trotz der beiden oben genannten Ausnahmen, viel Potential verschenkt. Und obwohl die Handlung relativ straff erzählt wird, kam es mir zu Filmende so vor, als ob an genügend Stellen noch Platz für Charakterdarstellungen gegeben hätte.
Das Bild war bombastisch – wenngleich die Qualität unter den mir bereits von Prince of Persia bekannten Geist-Effekten litt, was allerdings am analogen Quellmaterial des Kinos gelegen haben dürfte – und vermochte den Zauber der Bändiger schön zu vermitteln. Vor allem das Gran Finale zu Schluss des Films profitierte von der optischen Qualität und Finesse des von ILM mitgetragenen Werks3.
Die Actionchoreographie blieb übersichtlich und war vor allem auf die – meiner Meinung nach Yoga- bzw. Tai-Chi ähnelnden – Beschwörungsbewegungen der Bändiger fokussiert, was der Action einen besonderen, fließenden Touch gab – passend zum Credo der Wasserbändiger: Fließend wie Wasser4.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass mich der Film gut unterhalten hat. Er ist definitiv kein wirklich guter Film, allerdings auch wirklich kein Totalabsturz, wie so mancher Kritiker behaupten mag. Er ist der annehmbarer Start in eine spannende Trilogie und ein netter Appetizer für all jene, die die Serie noch nicht kennen. Für Fans der Serie dürfte der Film wahrscheinlich eher in den Kategorie „belanglos“ oder „ärgerlich“ einzuordnen sein, weshalb diese ihn nur vorsichtig genießen sollten. Ich werde jedenfalls die Trilogie trotz des durchwachsenen Starts weiter verfolgen und mir die Serie zu Gemüte führen.
1 Mir ist schon klar, dass der Titel „Avatar“ schon vergeben war, aber wie wäre es mit „The Last Airbender“ oder „The Legend of Aang: Book 1“ gewesen? „Die Legende von Aang“ alleine erscheint mir persönlich wenig einprägsam.
2 Allerdings nur vorläufig, bis Teil 2 erschienen ist und sich mein Verdacht bewahrheitet oder als Falsch erweist.
3 Tatsächlich erwies sich die Legende von Aang als der erste ILM-Film der letzten Jahre, der mir von der optischen und effekttechnischen Seite her gefiel. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass sich ILM wieder verstärkt auf die Animatronik konzentrieren sollte.
4 Hier gilt: Bitte nagelt mich nicht fest, wenn Ihr es besser wissen solltet. Ich bin bestenfalls ein Laie in Sachen Yoga oder Kampfsportarten und werde daher vermutlich in diesem Punkt daneben liegen. Zudem hatte ich bis zum Kinofilm keinen Dau von der Serie. Ergo: Klärt mich auf, wenn ich falsch liege!