[Kritik] Bernhard Hennen – Könige der ersten Nacht
Bernhard Hennen steht für mich für Qualität und das, noch bevor ich den gesamten Umfang seines Schaffens gekannt habe. Gut lesbarer Stil, interessante Charaktere und Mut zur inneren Logik seiner Werke haben ihn zu einen jener Autoren werden lassen, von denen ich grundsätzlich ein hohes Niveau erwarte und tatsächlich auch antreffen kann.
So auch im Fall eines neu aufgelegten historischen Roman Hennens, der zur Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas spielt. Vor historischem Hintergrund streiten vier Männer, im Auftrag des Erzbischofs von Köln, Rainald von Dassel, der zugleich auch Erzkanzler Italiens war, um die Heiligen Drei Könige. Dabei werden sie immer tiefer in einen Sumpf aus Falschheit, Missverständnissen und grober Täuschung gezogen, der immer wieder auf ihre Queste um die Reliquien, die für Köln erobert werden sollten, zurück zu führen ist. Hennen schafft eine glaubhafte, farbenfrohe Welt, in der man den Protagonisten von den Schlachtfeldern vor Mailand, über das intensive und lebendige Konstantinopel bis nach Bethlehem und darüber hinaus mit Freude und Spannung folgen kann. Eine authentisch wirkende Sprache, nachvollziehbare und stimmig wirkende Handlungsweise der Prota- und Antagonisten sowie das meisterhafte Verweben der Handlung mit einer weiteren Erzählungsebene, auf die ich – um die Spannung nicht zu mindern – nicht weiter eingehen werde, runden das stimmungsvolle Paket ab.
Dass der Roman, beziehungsweise das Nachwort Hennens, laut Aussage des Autors für gewisse Unruhe in kirchennahen Kreisen sorgte, passt da schon wie die Faust aufs Auge.
Bei all dem Lob muss ich aber auch einen Kritikpunkt los werden. Weshalb musste das Cover-Artwork bei der Neuauflage zum Heyne-Fantasy Allerlei degradiert werden? Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass es aus Urheberrechtlichen Gründen wahrscheinlich nicht möglich gewesen ist das Motiv der 2003er Ausgabe zu verwenden und das der Heyne-Verlag für viele Veröffentlichungen in der SF-Sparte ein relativ klares und mit hohem Wiedererkennungswert Corporate-Design fährt. Für meinen Geschmack ist es in diesem Fall nur etwas zu farblos vor allem in direktem Vergleich mit dem der letzten Auflage, beim Bastei Lübbe-Verlag. Aber da man ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen soll (aber so manche Kaufentscheidungen darauf basierend trifft), makle ich damit nur auf hohem Niveau.
Ich kann für diesen Roman ruhigen Gewissens eine uneingeschränkte Empfehlung geben. Lest Ihn, werdet glücklich (oder unruhig) und erzählt Euren Freunden, Bekannten und Unbekannten von diesem faszinierenden Buch.

Cover der alten Auflage

Cover der neuen Auflage
Disclaimer am Rande: Die Rechte für die Umschlagbilder liegen bei den Verlägen und den entsprechenden Urhebern, nicht bei mir.