Gaming, Geek-Life, Kritiken

Review: Spirit Camera – Das verfluchte Tagebuch [3DS]

Ich ging ohne große Erwartungen an Spirit Camera – Das verfluchte Tagebuch heran und wurde letztlich gut unterhalten. Doch auf dem Weg zur Unterhaltung musste ich zunächst mit technischen Problemen, Geistern und dem verfluchten Tagebuch selbst kämpfen. Geneigter Leser, begib Dich mit mir auf eine Reise in die Vergangenheit, als ich meinen 3DS zum ersten Mal mit Spirit Camera im Modulschacht startete und das verfluchte Tagebuch zum ersten Mal öffnete. Also etwa knapp drei Stunden zuvor…

Bislang hatte ich Reviews zu Spirit Camera bewusst vermieden und hatte auch keinen anderen Ableger der Fatal Frame beziehungsweise: Project Zero-Serie gespielt. Nicht aus mangelndem Interesse, sondern aus… nun, nennen wir es blühender Fantasie. Und ja, durch Überschattung der Veröffentlichungen durch neue Serienteile von Resident Evil und Silent Hill. Aber zurück zu Spirit Camera. Dessen Ankündigung gemeinsam mit seiner großen Schwester Project Zero II: Crimson Butterfly auf der Wii ließ mich zunächst mal relativ kalt. Warum soll man sich freiwillig Geistermärchen antun, wenn einem dann die Fantasie Streiche spielt? Die Trailer zu den beiden europäischen Veröffentlichungen variierten zwischen interessant (Project Zero II: Crimson Butterfly) und trashig (Spirit Camera).

Der trashige, kleine Bruder erweckte damit kurzfristig mehr Interesse als die vollwertige große Serienschwester auf der Wii. Und dann kamen die Reviews. Ich schrieb eingangs, dass ich diese bewusst vermieden hätte und muss mich nun korrigieren. Anstatt sie als Ganzes zu lesen, hab ich mir immer nur einen Abschnitt durchgesehen: Den Abschnitt zur technischen Umsetzung. Dass die Kameras im Handheld für gute Photos – respektive: dunkle Umgebungen – nicht besonders geeignet sind, sollte bislang jedem 3DS-Besitzer aufgefallen sein. Wie schlägt sich diese also in einem Horror-Spiel, in dem Dunkelheit einen nicht unwichtigen Part spielt? Ginge man nach einigen der Reviews, würde man – so wie ich einen großen Bogen um den Titel machen. Also vergiss diese für eine Weile und lass Dich mit mir auf ein kleines Experiment ein.

Das violette Tagebuch.

Vor in etwa drei Stunden kam ein seltsames Heftchen mit violettem Umschlag in meinen Besitz. Sein Inhalt ist – gelinde gesagt – verstörend. Er scheint von mehreren unterschiedlichen Verfassern zusammen gestellt worden zu sein. Soweit ich das erkennen konnte, von einem Mann, einem kleinen Kind und einer jungen Frau. Aber ich könnte mich auch irren. Vielleicht stammen alle Bilder, alle Photos, alle verstörenden Einträge in diesem Heftchen von ein und der selben Person. Nun, noch länger zögern bringt nichts, jetzt will ich wissen, was es mit diesem Heftchen auf sich hat! Diesem violetten „Tagebuch“ war eine Camera Obscura beigelegt, mit der man angeblich im Heftchen Verborgenes sichtbar machen könnte. Nachdem ich einige Testphotos mit dieser ominösen Kamera gemacht hatte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass irgendetwas mir von der Vorderseite des Tagebuchs entgegen zu starren schien. Zunächst hielt ich das für reine Einbildung, blinzelte ein-zwei Mal und sah wo anders hin. Als ich dann die Camera Obscura direkt auf die Tagebuchvorderseite richtete konnte ich – ohne Zweifel – das Gesicht einer Frau erkennen! Sie schien von Schatten umgeben zu sein – doch das tut nichts zur Sache! Viel wichtiger ist, dass sie ohne die Camera Obscura nicht zu sehen war und, dass sie mir direkt in die Augen zu blicken schien. Noch während mich ein kalter Schauer überlief, fing meine Sicht an zu verschwimmen und ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich nicht mehr in meiner Wohnung, sondern in einem mir fremden Haus. Wie von alleine bewegte ich mich einen langen, schlecht beleuchteten Korridor entlang und versuchte meine Umgebung zu erkennen. Einen Anhaltspunkt zu meinem Aufenthaltsort zu finden. Doch es gelang mir nicht. Meine Umgebung war mir gänzlich fremd. Also blieb mir nichts anderes übrig, als immer weiter zu gehen. Als ich um eine Ecke bog, stürzte plötzlich eine Vase zu Boden. Mein Herz raste vor Aufregung, als ich mich nach der Ursache für den Sturz der Vase umsah. Und dann sah ich sie wieder – die Frau, die mir vom Deckel des Tagebuchs aus entgegen geblickt hatte. Sie ging keine drei Meter vor mir aus dem Korridor hinaus, in dem ich mich gerade befand. Ich stolperte ihr hastig nach. Vielleicht wusste sie, wo und warum ich hier war. Doch als ich um die Ecke bog, war sie verschwunden. Dafür hörte ich eine Frauenstimme unverständlich in einer mir nicht bekannten Sprache vor sich hin sprechen. Und ich sah eine Schiebetüre vor mir. Warum ich in diesem Moment nicht meine Beine in die Hand nahm und schleunigst den Weg zurück lief, den ich gekommen war, bleibt mir bis jetzt unverständlich. Eine jede Alarmglocke in meinem Kopf schrillte dermaßen laut, dass auch Außenstehende sie hören hätten können. Und trotzdem, gegen meinen Willen, bewegte sich meine Hand in Richtung der Türe. Doch bevor meine Hand sie berühren konnte, erschien direkt neben mir die Frau, der ich gefolgt war. Auch sie sprach eine mir nicht vertraute Sprache, doch ihr Blick genügte mir. Er schien flehentlich zu schreien: Öffne nicht diese Tür! Und erneut, verlor ich mein Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich wieder in meiner eigenen Wohnung. War all dies nur ein Traum gewesen? War ich eingeschlafen? Doch plötzlich hörte ich eine Stimme und riss erschrocken die Camera Obscura hoch. Direkt neben stand – nein: schwebte – die Frau, der ich zuvor gefolgt war. Und wie durch Zauberhand, konnte ich sie nun verstehen. Sie warnte mich vor der Frau in Schwarz, die jenen auflauere, denen dieses violette Tagebuch in die Hände gefallen war. Und sie offenbarte mir, dass sie eine Gefangene in dem Haus gewesen war, durch dessen Gänge ich kurz zuvor geirrt war. Welches dunkle Geheimnis sich hinter all dem befand, sollte mir erst nach einigen Stunden dämmern…

Das Erlebnis, die Hindernisse.

Willkommen zurück, geneigter Leser. Wenn dieser Erlebnisbericht Dein Interesse geweckt haben sollte, dann könnte Spirit Camera etwas für Dich sein! Aber warum nur könnte? Zunächst, weil es sich bei Spirit Camera um ein sehr kurzes Vergnügen handelt. Zwar gibt es ein New Game+ sowie zwei „Arcade“-Modi, welche die beiden Kernkomponenten des Spiels – die Jagd nach Geistern und die Interaktion mit dem violetten Tagebuch – als Minigames aus der Story auskoppelt. Verknappt gesagt: Ein fragwürdig kurzer Spaß für 30-40€. Macht das eigentliche Spiel Spaß? Ja, aber nur wenn man auf einen Drehstuhl sitzt – oder im stehen spielt. Die Entwickler nahmen den Augmented Reality-Aspekt sehr ernst und lassen Geister rund um den Spieler herum auftauchen. Wer auf einer Couch sitzt, wird sich bei der Geisterjagd dadurch nicht sehr wohl fühlen. Der zweite Knackpunkt ist das titelstiftende Tagebuch selbst. Ich fluchte nicht selten, als eine kleine Lichtreflexion auf einer Heftchenseite den „Empfang“ der übernatürlichen Bilder störte, oder ein drehen und kippen des Heftchens zum Lösen von Rätseln notwendig war. In beiden Fällen stieß ich an Grenzen der 3DS-Hardware. Einerseits kann man das Spiel nicht richtig im Dunkeln spielen, da man ausreichend Beleuchtung für das Auslesen des AR-Heftchens – des violetten Tagebuchs – benötigt. Andererseits darf es auch nicht zu viel Licht sein, da ansonsten Lichtreflexionen am Papier die Seite für das Spiel „unlesbar“ machen. Ohne Licht (respektive mit schlechter Beleuchtung) sind dahingegen die Jagd nach Geistern und das durchwandern des mysteriösen Hauses möglich. Dass das Spiel trotzdem Spaß machen und trotz seiner technischen Mängel fesseln kann, liegt an seiner tollen Atmosphäre und der – hoffentlich vorhandenen – Neugierde des Spielers. Denn wenn Dich die Auflösung des Rätsels rund um den Fluch des violetten Tagebuchs nicht schert, dann ist das „Spiel“ nichts für Dich. Weder kann es eine „spannende“ (als bombastische und effektreiche zu lesen) Inszenierung vorweisen, noch wird viel Story geboten. Stellenweise kam es mir so vor, als ob hin und wieder Geister Beschuss durch die Camera Obscura ignoriert hätten, aber hier kann der Fehler auch hinter der Kamera gesessen haben. Der Soundtrack ist gut, die Soundkulisse zum Teil wirklich sehr gut. Gefangene Geister krächzen wie durch ein Radio verzerrt aus dem 3DS heraus und rufen immer wieder um Hilfe und Rettung.
Soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann, wirst Du – sofern Du ein Fan der Fatal Frame-Serie bist – von Spirit Camera zunächst eher enttäuscht sein. Und dann wird es Dir vielleicht wie mir gehen. Wie toll müsste ein vollwertiges, mit Mysterien und längerer Handlung gespicktes Horror-Abenteuer auf dieser interessanten Technik aufbauend sein? Wie toll könnte ein weiterer Fatal Frame-Ableger am 3DS sein, wenn er die technischen Mankos seines Vorgängers überwinden könnte? Und vielleicht denkst Du dann bei Dir: War Spirit Camera am Ende ein Experiment, eine Technikstudie? Kommt da vielleicht noch mehr? Und dann hat sich dieses kleine Abenteuer für Dich am Ende vielleicht doch gelohnt.

Standard
Gaming, Geek-Life, Privates

Meine Eindrücke zur Aufregung um Christian Schmidts Gastbeitrag.

Herrn Lotts Kommentar zum Gastbeitag von Christian Schmidt auf Spiegel Online ist ebenso lesenswert wie der eigentliche Stein des Anstoßes. Nur so nebenei muss ich gestehen, dass ich die wenigsten Artikel in einem Spielemagazin heute noch vollständig lese beziehungsweise – so gerne ich das auch immer tun würde – die Wertungen vollständig ignorieren kann. Bei den Tests oder Berichten, die ich dann vollständig lese, ist für mich dann doch immer das jeweilige abschließende Fazit des Journalisten wichtiger. In meinen Augen transportiert es unverfälschter den eigentlichen Eindruck, die eigentliche Emotion des Journalisten als der dazugehörige Artikel, der meistens nach einem Schema oder Formular abläuft. Und ganz unter uns: Mittlerweile habe ich das Geld mir die Spiele zu kaufen, die mich interessieren und kann mir so einen eigenen Eindruck bilden. Somit bin ich für die „einfache“ (und das ist sie nicht) Spielekritik nicht Zielpublikum. Mir bereitet es dahingegen Freude ausführlich recherchierte Artikel zu einem Franchise oder Retro-Empfehlungen zu lesen oder eben die persönlichen – weil noch formlosereren – Eindrücke der Journalisten zu lesen. Gerade deshalb habe ich die GEE ganz gerne gelesen – auch wenn wie Lott richtig anmerkt, nicht alles was in der GEE veröffentlicht wurde auch gut war. Aber genug persönliches Gerante, folgt einfach dem Link zu Gunnar Lotts Reaktion auf Christian Schmidts Meinungsbeitrag und macht Euch selbst ein Bild. Ich freue mich über jede persönliche Stellungnahme von Euch.

http://kaliban.de/2011/09/zum-zustand-der-deutschen-spielekritik/

Standard
F.E.A.R. 2: Project Origin
Gaming, Geek-Life, Kritiken

Des Fürchtens zweiter Streich, oder: Ein Mädchen namens Alma

Hach, F.E.A.R., das waren noch >>Zeiten<<! Da hat man ewig gleiche drei bis vier Gegnertypen bekämpft und sich an der KI die Zähne ausbeißen können. Das Leveldesign war auch nur mau – ewige Korridore und Bürokomplexe wechseln einander in grauer Tristesse ab, und trotzdem hab ich's gerne gespielt. Die Story, hach die Story, der Soundtrack und die ewig präsente Alma hatten's mir angetan. Die Atmosphäre war traumhaft gruselig und trostlos. Kurz: Ein Genre-Meisterwerk!
Und dann kam F.E.A.R. 2: Project Origin. Weiterlesen

Standard
Gaming, Geek-Life, Kritiken

Anstelle einer Kritik: eine Empfehlung – The Witcher 2

Liebe Leute!
Lang lang ist’s her, dass ich was hier veröffentlicht habe. Es ist ja nicht so, dass ich in dieser Zeit untätig gewesen wäre, nein. Ich habe so einiges gespielt, gesehen, gelesen, gelitten, gearbeitet, usw. über das ich schreiben hätte können. Allerdings hatte ich schlicht und ergreifend keine Lust darauf. Nein, nicht „Keine Lust“ à la good old Rammstein, aber eine generelle Unlust zum schreiben. Ich habe keine Ahnung, ob das hier jetzt mal nur eine Phase ist oder ob ich die Lust zum Schreiben wiedergefunden habe. Was zählt ist, dass ich wieder schreibe. Sowohl für die Univeristät, als auch hier im Blog. Und was würde besser zu dieser wieder entdeckten Schreiblust passen, als eine Empfehlung (beziehungsweise: Huldigung) eines großartigen Spiels? Richtig: Nichts, mal abgesehen von ’nem anständigen Blogeintrag… Weiterlesen

Standard
Bücher, Kritiken

[Kritik] Bernhard Hennen – Könige der ersten Nacht

Bernhard Hennen steht für mich für Qualität und das, noch bevor ich den gesamten Umfang seines Schaffens gekannt habe. Gut lesbarer Stil, interessante Charaktere und Mut zur inneren Logik seiner Werke haben ihn zu einen jener Autoren werden lassen, von denen ich grundsätzlich ein hohes Niveau erwarte und tatsächlich auch antreffen kann.
So auch im Fall eines neu aufgelegten historischen Roman Hennens, der zur Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas spielt. Weiterlesen

Standard
Filme

Die Legende von Aang

Für mich persönlich standen die Vorzeichen zu diesem Film nicht sonderlich gut. Zunächst war und bin ich mit dem The Last Airbender-Universum nicht vertraut, dann wussten mich die Trailer kaum ins Kino zu locken und schließlich war dann da noch das negative Medienecho von Bloggern und Presse. Aber da ich mal wieder ins Kino und eine Freundin – zum Glück, wie sich später noch heraus stellen sollte – sich die Legende von Aang1 ansehen wollte. Weiterlesen

Standard